Wurzeln

Deutsche Frauen in Florenz
Eine Ausstellung über Heimat und Diaspora

Das Projekt »Wurzeln« befasst sich mit den zur Evangelisch-Lutherischen Gemeinde Florenz gehörenden Frauen. Sie stammen aus dem deutschen Sprachraum und leben nun in Italien, zumeist in einer deutsch-italienischen Familie. In der Gemeinde, deren Sprache vorrangig Deutsch ist, pflegen sie Begegnung und Austausch, Sprachfähigkeit, Freundschaften, Vernetzung und ihre durch die Herkunft geprägte spirituelle Identität. Der Mikrokosmos der Gemeinde birgt einen Ort außergewöhnlichen Miteinanders: zweisprachig, protestantisch und ökumenisch. Als Verein organisiert, zählt die Gemeinde auch Katholiken zu ihren Mitgliedern.
In Interviews erzählen die Protagonistinnen von ihrem Leben, ihren Wurzeln und ihrem Einwurzeln in eine neue Erde. Nach dem Interview wurden sie an einem Ort ihrer Wahl, in einem privaten oder öffentlichen Raum, fotografisch portraitiert. Eine Auswahl des Bild- und Textmaterials ist Grundlage dieser Ausstellung. Den Portraits und Interviewauszügen sind Fotografien von Plastiken und Skulpturen aus Florenz Umfeld hinzugesellt. Assoziativ zu den Geschichten und Portraits stehen sie als Bilder für Beziehungen und Geworden-Sein.
Das Anliegen des Projektes ist es, zum einen die Situation von deutschsprachigen Men-
schen in Italien zu beleuchten. Zum anderen steht diese jedoch auch für ein Leben in der Fremde an sich. In einer Zeit, in der immer mehr Menschen aus beruflichen wie privaten Gründen den Weg in ein fremdes Land wählen, erscheint es uns sinnvoll und spannend, solchen Lebenswegen nachzugehen und von ihren Chancen und Schwierigkeiten zu erzählen. – Die Teilnehmerinnen des Projektes haben ihr Heimatland nicht aufgrund von Not, Krieg oder Hunger verlassen. Jedoch hoffen wir mit unserer Arbeit die Wahrnehmung für Migrationsgeschichten aus deutscher Perspektive anzuregen. Ähneln sie doch in mancher Hinsicht dem, was nach Deutschland gekommene Menschen erleben.
Wir möchten Menschen berühren an ihren eigenen Geschichten. Wir möchten den Blick und damit das Verstehen öffnen für die Bedeutung von Heimat, Aufbruch, Ankommen, Fremdheit und Vertrautsein.
Die Ausstellung hat nicht den Anspruch, vollständige Biografien abzubilden. Vielmehr möchte sie in ihrer Gesamtheit ein Mosaik der Erlebniswelten ihrer Protagonistinnen zeigen. Darin mögen sich zugleich Subjektivität als auch Allgemeingültigkeit finden.